Der erste Schultag - Tipps

der erste Schultag - Tipps

Die Sommerferien stehen an und damit bei vielen Lehrpersonen auch die Vorbereitungen aufs neue Schuljahr. Ich habe in der Regel 5 Wochen Sommerferien, also ausreichend Zeit, mich erstmal zu erholen und dann hinter die Arbeit zu gehen. Mitte August starte ich nun ins fünfte Berufsjahr an einer 5./6. Mischklasse. Da mich viele auf meinem Instagram Account um Rat gebeten haben, versuche ich euch hier ein paar Tipps zum ersten Schultag und meinem Vorgehen bei den Vorbereitungen zu geben. 

Vorab: Ariane und Claude von "a teachers lifestyle" haben im übrigen vor Kurzem zu einem ähnlichen Thema einen Blogeintrag geschrieben. Schaut doch HIER auch vorbei! 

 

Der erste Schultag

Wie gestalte ich den ersten Schultag als neue Lehrperson? Wie organisiere ich die erste Schulwoche? Wann führe ich Klassenämter, Regeln und Rituale ein? 

Auf diese und ähnliche Fragen versuche ich euch hier Antwort zu geben! 

 


1. Mit einer Geschichte im Kreis starten

Obwohl ich bereits eine 5./6. Klasse unterrichte, lieben die Kinder es, wenn ihnen vorgelesen wird, zumal ich selber auch sehr gerne Geschichten erzähle :-) Daher starte ich den ersten Schultag meist mit einer gemeinsamen Geschichte im Sitzkreis. Wer eine kurze aber aussagekräftige Geschichte sucht, empfehle ich "Wenn die Ziege schwimmen lernt" oder "mutig, mutig". Es sind zwar Kinderbücher, aber ich habe beide schon in meiner Klassenstufe eingesetzt und beide Male kamen sie sehr gut an.  Wer eine Geschichte sucht, die die Klasse durchs Schuljahr hinweg begleitet (was ich selber sehr gerne mag), empfehle ich euch "Rico, Oskar und die Tieferschatten" oder "Die Unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket". 

 

Alle vier Bücher greifen tolle Themen auf, die man in der Klasse diskutieren kann. In gewissen Situationen kann man dann total gut auf eine Geschehnis einer Geschichte zurückgreifen: "Weisst du noch in der Geschichte mit der Ziege? Die konnte am Anfang auch Vieles nicht gut,...". 

 

Es gibt natürlich noch viele weitere tolle Bücher. Lest auf jeden Fall ein Buch/eine Geschichte zuvor selbst bis zum Schluss und wenn es euch selber packt, wisst ihr, dass es das Richtige ist :-) 

 

(Was ich hier "übersprungen" habe, ist ein Kennenlernspiel. Dies entfällt bei mir, weil ich die Kinder, die zu mir kommen jeweils schon gut kenne. Ansonsten wäre nun an dieser Stelle, also nach der Geschichte ein kleines Kennenlernspiel sinnvoll. Ideen dazu findet ihr viele im Internet! 

 
Wer gerne mehr über den Einsatz von Bilderbüchern in meiner Klassenstufe wissen möchte, kann sich melden. Bei Interesse werde ich bald einmal einen Blogeintrag zu Büchern im Unterricht schreiben. 


2. Bald einmal mit dem "richtigen Unterricht" anfangen

Ab der dritten Klassenstufe kennen die Kinder den Schulalltag und Tagesabläufe schon relativ gut. Von daher empfehle ich euch, nach der Geschichte bald einmal mit dem "Unterricht" anzufangen, bevor ihr all das Organisatorische und Administrative (Material verteilen, Regeln, Klassenämter,...). Das heisst, die Kinder mit einer Aufgabe konfrontieren, die sie heraus- aber nicht überfordert, denn die Kinder sind in der Schule und wollen (meist) etwas lernen :-) Nachdem die Kinder ihren Arbeitsplatz eingenommen haben, starte ich oft mit einem Mathematik-Rästel zum Lösen und lasse sie eine Weile knobeln. Für schnelle und clevere Rechner liegt dann schon der erste Mathplan bereit. Dazu verteile ich erstmal nur die Mathematik Lehrmittel und Hefte. Die 6.Klässler/innen helfen dann jeweils den neuen 5.Klässler/innen. 

 

Erst nach der grossen Pause verteile ich weiteres Arbeitsmaterial, oftmals auch erst im Verlauf der Woche, wenn das entsprechende Fach ansteht. So wird der erste Schultag nicht unnötig zu einer Materialschlacht. 

 


3. Erwartungen transparent machen

Zudem finde ich es wichtig, dass ihr eure Erwartungen an die Kinder am ersten Tag transparent macht. Das heisst nicht, dass ihr die Kinder mit Regeln überhäuft. Sondern dass ihr den Kindern sagt, was euch wichtig ist, damit die Schule funktionieren kann. Das Sprichwort von Dalai Lama finde ich dazu als Beispiel sehr passend: 

 

Respektiere dich selbst, respektiere andere und übernimm Verantwortung für deine Taten. - Dalai  Lama - 

 

Im Verlauf der ersten Schulwoche erarbeite ich dann mit den Kindern noch genauere Regeln, an die sich alle halten müssen und welche Konsequenzen bei der Nichteinhaltung gelten. Dies ist von Klasse zu Klasse sehr unterschiedlich und plane ich deshalb nie im Voraus. Mit der Zeit entwickeln sich auf feste Rituale in der Klasse, die die Orientierung und den Zusammenhalt fördern. 


Wie meine Klasse und ich bei Regelverstössen und Versäumnissen vorgehen, werde ich euch in einem späteren Blogeintrag noch genauer erzählen. 


4. eine genaue Planung und ev. Checkliste

Im Gegensatz zu meinen Wochen- und Semesterplanungen in meiner Lehreragenda, plane ich den ersten Schultag auch nach vier Jahren Berufserfahrung noch sehr genau. Dazu nutze ich meist ein A4 Notizblatt und mache einen genauen Ablauf  mit Inhalt, Material, und Wichtigem, damit ich nichts vergesse, denn die vielen Eindrücke und neuen/ungewohnten Verhaltensweisen der Klasse lassen so Einiges in Vergessenheit geraten. Daher mach ich meist auch noch eine Checkliste, was ich alles mitteilen oder nach Hause geben möchte. 

Diese Liste liegt dann im Schulzimmer auf dem Lehrerpult, sodass ich jederzeit kurz spicken kann, ob ich an alles gedacht habe. 

 

Dies setzt voraus, dass alles benötige Material zum Austeilen geordnet im Klassenzimmer bereitliegt und griffbereit ist. 


5. Sich selber sein - sich wohl fühlen

An den letzten Ferientag vor dem Schulbeginn vor vier Jahren kann ich mich noch gut erinnern. Ich ging nochmal alles genau in meinem Kopf durch, legte mir mein Outfit bereits am Abend bereit, überlegte mir, welche Frisur ich mir machen werde und ging früh ins Bett :-)
Ich wusste, dass ich gut vorbereitet war und im Schulzimmer alles bereitliegt. Ich verschickte meinen Kollegen aus dem Studium noch ein paar Nachrichten und wünschte ihnen einen tollen Start. 

 

Am ersten Schultag ist es wichtig, dass du dir selber treu bleibst und dich wohl fühlst. Hab keine Angst vor "unerwarteten" Situationen, denn die wird es so oder so geben und du wirst mit deinem Bauchgefühl und deiner Reaktion richtig liegen! Handle so, dass du stets dahinter stehen kannst. Sei stolz auf dich, dass du dich gut vorbereitet hast und freue dich auf den schönsten Beruf der Welt! Es ist toll, Lehrerin zu sein! 

 


Und zum Schluss noch ein paar allgemeine Tipps von mir für euch!

  • Nicht zu viel auf einmal wollen! Ich weiss, auf Instagram und Pinterest seht ihr täglich viele engagierte und "übermotivierte" Lehrpersonen, die selber tolles Material herstellen und tolle Ideen umsetzen. Bestimmt habt ihr irgendwo einen Ort, an dem ihr solche Ideen ablegt. Und genau das ist es: merkt sie euch für später! Konzentriert euch zu Beginn auf das Wesentliche, geht Schritt für Schritt vorwärts! Es ist OK, zu Beginn noch nicht an alles zu denken und alles zu können und freut euch, wenn ihr dann so routiniert seid, dass euch noch Zeit zum Gestalten von tollen Lernmaterialien bleibt ;-) 

  • Sich Zeit nehmen und lassen! Während der Unterrichtszeit bist du voll auf Trab. Die Verantwortung ist hoch, du wirst gebraucht und du bist ständig präsent. Nutze die kleinen Pausen zwischendurch für dich und entspann dich bei einem Tee/Kaffee, beim Austausch mit deinem Team, beim Lesen einer Zeitschrift, oder beim Stöbern am Handy ;-). Am Ende des Unterrichts sitze ich meist 5 Minuten in meinen Lehrerstuhl und geniesse die Ruhe, bevor ich an die Arbeit gehe. Nehme dir zwei drei Aufgaben pro Tag vor, die du erledigen willst oder setze dir ein Zeitlimit, bis wann du fertig sein willst. 

  • Arbeit und Freizeit bewusst trennen! Ich habe für mich gemerkt, dass es mir am Leichtesten fällt, wenn ich Arbeit und Freizeit auch räumlich klar trenne. Das heisst, das Schulmaterial bleibt in der Schule und gearbeitet wird entsprechend auch nur in der Schule. Das Wochenende ist zudem heilig! Da wird NICHTS für die Schule gemacht! Auch keine Mails oder SMS beantworten! Das Wochenende gehört dir! Nutze es und geniesse es für dich! Du hast es verdient! (Ok, ganz immer halte ich es auch nicht ein ;-))

  • Sich über Kleinigkeiten freuen: Freue dich über gelungene Lektionen, über kleine Lernfortschritte, mach Fehler und lern daraus, lach auch mal über dich selber, sei spontan und komm auch mal von deinem Plan ab - den Kindern zu liebe! Geniesse das Strahlen der Kinder und sei jeden Tag stolz auf dich! 

  • Suche den Austausch: Im besten Fall arbeitest du eng mit einer Parallelklasse zusammen. Planen, austauschen, besprechen, diskutieren, jammern, lachen und freuen macht gemeinsam einfach mehr Spass! Erfinde das Rad nicht neu, es gibt viele tolle Materialien! Stell zudem Fragen, grübel nicht zu lange selber, suche Hilfe, es gibt viele Ansprechpartner! 

  • Unterschied zwischen Realität und Utopie: Sei dir bewusst, dass viele Lehrpersonen, die in sozialen Medien ihre Materialien präsentieren schon mehrere Jahre tätig sind und mehr Routine haben als du. Wäge Aufwand und Ertrag ab, lohnt sich die Arbeit tatsächlich? Hab Mut zur Lücke und lass zu Beginn auch mal was weg. Niemand ist perfekt! 

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Kommentare: 3
  • #1

    Sophia (Dienstag, 01 August 2017 22:38)

    Ich danke dir von Herzen für diesen ausführlichen und absolut hilfreichen(auch seelentröstenden) Beitrag! Genau das habe ich gerade gebraucht. Auch (vielleicht sogar besonders) nach den 2 Jahren Ref ist der Start nach den Sommerferien (an einer neuen Schule) immer noch aufregend. ;-)


  • #2

    Gesine (Mittwoch, 02 August 2017 09:50)

    Vielen Dank für den Blogeintrag! Deine entspannte Art im Umgang mit dem Lehrersein ist sehr angenehm! Über einen Blogeintrag zum Umgang mit Kinderbüchern im Unterricht würde ich mich sehr freuen. :)

  • #3

    Maria (Donnerstag, 03 August 2017 08:42)

    Was für ein toller Blogeintrag mit vielen wertvollen Tipps! :-)
    Als Neueinsteigerin habe ich mich gleich auf die Suche nach spannenden Mathe-Rätsel gemacht, jedoch noch nichts passendes gefunden. Von wo hast du jeweils deine Rätsel?